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Weit ist der Weg nach Westen

Im Winter 1945 verließ Marion Gräfin Dönhoff ihre Heimat Quittainen in Ostpreußen und flüchtete zu Pferd 1500 Kilometer westwärts. Der Ritt dauerte acht Wochen!

Sechzig Jahre später hat ihre Großnichte, die Journalistin Tatjana Gräfin Dönhoff diese Flucht zum Anlass genommen, um auf den Spuren ihrer Großtante den nördlichen Teil Polens zu erkunden.

In dem Buch "Weit ist der Weg nach Westen" dokumentiert Tatjana die Fluchtroute ihrer Großtante durch das nördliche Polen. In der aktuellen Diskussion des Themas Flucht sieht sie eine große Chance: „Zum ersten Mal wird von der Enkelgeneration über die Opfergeschichten der Täter gesprochen, ohne dabei die andere Seite unter den Tisch zu kehren. Das galt lange als Tabubruch!“ Denn das Leid sei groß gewesen, auch auf deutscher Seite. Tatjana Gräfin Dönhoff wünscht sich endlich ein entspanntes deutsch-polnisches Verhältnis. Dies könne nur entstehen, wenn niemand mehr die alten Ressentiments für politische Zwecke nutze.

Die Erlebnisse ihrer Reise in die Vergangenheit Ostpreußens und durch die Gegenwart unseres östlichen Nachbarn hat sie in diesem Buch gemeinsam mit dem Fotografen Jo Röttger anschaulich in Wort und Bild dokumentiert und dabei das facettenreiche Porträt einer bezaubernden Landschaft und ihrer Bewohner gezeichnet. Vier Monate bereisten sie Polen. Dabei hat die Autorin die Historie ihrer Familie, obwohl sie ihr von Kindesbeinen an vertraut ist, tief berührt.

Mit ihrer Großtante hatte Tatjana kurz vor deren Tod über das ehrgeizige Projekt gesprochen. "Marion, die sich zeitlebens für die Aussöhnung mit Polen einsetzte, fand die Idee fabelhaft." Gemeinsam hatten sie an einem Abend im Oktober 2001 Landkarten ausgebreitet und den Weg gesucht, den Marion Gräfin Dönhoff einst gewählt hatte. "Dazu erzählte sie mir die Geschichten, die sie während des acht Wochen langen Ritts bis ins westfälische Vinsebeck erlebt hatte."

Eingebettet in ihren Reisebericht, stellt die Autorin Lebensgeschichten älterer und junger Bewohner Pommerns und Masurens vor: Sie erzählt von unterschiedlichen Lebenskonzepten, von Träumen und Hoffnungen und vom bis heute schwierigen Umgang mit der eigenen, der deutsch-polnischen Geschichte. 217 Fotografien von Jo Röttger illustrieren die persönlichen Geschichten, vor allem aber vermitteln sie großartige Ansichten einer ungewöhnlichen, von der bewegten Geschichte des 20. Jahrhunderts gezeichneten Landschaft.

Auf den Spuren der dramatischen Flucht von Marion Gräfin Dönhoff, der Grande Dame des deutschen Nachkriegsjournalismus und Zeit-Herausgeberin. Das erste zeitgeschichtliche Buch über das heutige Polen nach dem EU-Beitritt. Mit zahlreichen einfühlsamen Bildern aus einer Welt, die Deutschland gleichzeitig nah und fremd ist.

Das Buch ist eine wertvolle Ergänzung zu dem aktuell von Ihr erschienenen Roman: „Die Flucht“, dem Roman zum großen ARD-Zweiteiler mit Maria Furtwängler in der Hauptrolle. Eine weitere hochinteressante, zeitgeschichtliche Veröffentlichung die man unbedingt lesen sollte.

Zur Autorin: Tatjana Gräfin Dönhoff wurde 1959 in München geboren. Die Flucht hat auch Tatjanas Leben verändert: "Ich bin die erste Dönhoff, die nicht in Ostpreußen geboren wurde und aufwuchs." Ihre Eltern zogen berufsbedingt häufig um - Vater Stanislaus ist Wald- und Forstkaufmann. Von ihrem Geburtsort ging es ins afrikanische Tansania, zurück nach Deutschland und schließlich nach Irland. "Dort lebten wir auf einer Farm bei Dublin. Das war für meine drei Geschwister und mich herrlich."

Die unbeschwerte Zeit hatte ein Ende, als der Dönhoffsche Nachwuchs aufs Gymnasium sollte. "Dort gab es keines, und aufs Internat wollte meine Mutter uns nicht schicken", sagt Tatjana Gräfin Dönhoff in ihrer sympathischen und bodenständig wirkenden Art. Also zog die Familie zurück nach Deutschland, nach Ramelsloh. Aber auch das blieb nicht der endgültige Standort: Vater Stanislaus sollte im Westerwald die Wälder einer Tante verwalten, und Tatjana machte schließlich in Bonn Abitur. Nach einer Lehre zur Verlagskauffrau in Köln kam sie zum Journalismus. Nach einer Zeit beim ,Kölner Express' ging ich nach Hamburg, um Politik und Geschichte zu studieren." Parallel faßte sie Fuß beim "Stern", kam ins Reporterteam des damaligen Chefredakteurs Michael Jürgs. Nach Stationen bei "Max" und dem Londoner Magazin "The European" hat sich Tatjana Gräfin Dönhoff selbständig gemacht. Mit ihrer Firma "Brain drain" hilft sie Unternehmen bei deren Außendarstellung. Erster großer Auftrag war die Broschüre des Otto Versands zum 50. Jubiläum.

Der Fotograf Jo Röttger wurde 1954 geboren und studierte Fotografie in Dortmund. 1981 begann seine Zusammenarbeit mit dem Zeit-Magazin in Hamburg, 1984 wurde er Mitglied der Fotografengruppe Visum und arbeitet für verschiedene internationale Magazine. Jo Röttger lebt in Hamburg, er ist heute hauptsächlich für Corporate Communication tätig und realisiert eigene fotografische Projekte.

Autor Tatjana Gräfin Dönhoff
Fotograf Jo Röttger
Weit ist der Weg nach Westen
Auf der Fluchtroute von Marion Gräfin Dönhoff
2004, 248 Seiten
171 farbige Abb., 46 s/w-Abb.
Format 20 x 30 cm
Gebunden mit Schutzumschlag, 29,90 €
ISBN 3-89479-215-9

15.03.2007
Michael Ferber




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