
Deutsche auf der Flucht
Zeitzeugen-Berichte über die Vertreibung
aus dem Osten
Ein packendes zeitgeschichtliches Dokument
– erschienen am 23. Mai 2007. Deutsche
auf der Flucht“, eine Koproduktion
von BILD und Weltbild, dokumentiert ein
Stück Zeitgeschichte: die Flucht und
Vertreibung der Deutschen aus dem Osten
zwischen 1944 und dem Anfang der 50er Jahre.
Nach dem Erfolg des TVZweiteilers „Die
Flucht“ mit Maria Furtwängler
rief die BILD Zeitung ihre Leser dazu auf,
ihre eigenen Erinnerungen an die dramatischen
Ereignisse von damals einzusenden.
Zeithistoriker und Journalist Ralf Georg
Reuth stellte daraus ein sehr persönliches
und packendes Geschichts-Dokument zusammen,
ein Vermächtnis der Betroffenen.
„Wir mussten uns zum Erschießen
aufstellen.“ so und ähnlich fangen
die Zeitzeugenberichte an – ein großes
Stück wahrer deutscher Geschichte,
Schicksale. „Wir wohnten sieben Kilometer
von Breslau entfernt. ich war Weihnachten
gerade sechs Jahre alt geworden. Nur in
Kurzform meine Schrecklichsten Erlebnisse.
Infolge der Fliegerangriffe kann ich bis
heute kein Flugzeug besteigen. Im Januar
kamen die Russen. Und wir gingen bei Eis
und Schnee, die Stalinorgel dröhnte
in der Ferne, auf einem Treck und wir zogen
von Ort zu Ort. Wir standen dabei, als meine
Mutter und Tanten vergewaltigt wurden. Einmal
auf dem Treck am Mittag stürmte ein
betrunkener Russe mit einer Kalaschnikow
in den Raum, und wir mussten uns zum Erschießen
aufstellen. Wir beteten laut, und im letzten
Moment kam ein Offizier rein und schlug
ihm das Gewehr hoch, und die Schüsse
gingen alle in die Luft, und er wurde mitgenommen.“
Gut übersichtlich sind die Zeitzeugenberichte
gegliedert, auf 18 Seiten eine Einleitung
die den Hintergrund widerspiegelt, dann
folgen Ostpreußen, Danzig, Westpreußen,
Pommern, Brandenburg, Schlesien, Sudetenland,
Prag und Brünn. Das Buch endet mit
einem leider zu kurz gefassten zweiseitigem
Epilog. Ansonsten eine sehr gute Zusammenfassung.
Vierzehn Millionen Deutsche werden gegen
Ende des Zweiten Weltkrieges aus Ostmitteleuropa
vertrieben. Bepackt mit dem Nötigsten
machen sich die Menschen in kilometerlangen
Trecks zu Fuß, mit dem Pferdewagen
oder per Schiff durch Eis und Schnee auf
den Weg nach Westen, ins Ungewisse. Sie
stammen aus Ost- und Westpreußen,
Pommern, Brandenburg, Schlesien, dem Sudetenland
oder aus Böhmen und Mähren. Mehr
als zwei Millionen Flüchtlinge kommen
dabei ums Leben. Sie werden erschossen,
sterben vor Erschöpfung oder ertrinken
in der Ostsee. Über 100 Zeitzeugen
berichten in „Deutsche auf der Flucht“,
wie sie einst ihre Heimat verließen
und ums nackte Überleben kämpften.
Zahlreiche Fotos und Briefe sowie Karten
und Hintergrundtexte illustrieren das Schicksal
dieser deutschen Opfer. Ralf Georg Reuth:
„Die Furcht, sich dem Vorwurf auszusetzen,
die von den Nationalsozialisten begangenen
Verbrechen relativieren zu wollen, hatte
die Flucht und Vertreibung lange zu einem
Nischenthema gemacht. Doch mehr als 60 Jahre
danach ist die Zeit reif geworden, sich
der Geschichte der Vertriebenen anzunehmen.“
Leider etwas spät – aber besser
als gar nicht. Ich vermag nicht zu beurteilen
in wie weit die Berichte der Wahrheit entsprechen
– einige Fotounterzeilen hätte
man genauer präzisieren können.
Ein Buch welches das Geschichtsbewußtsein
stärken sollte. Meine Empfehlung –
nicht nur für Heimatvertriebene !
BILD / Ralf Georg Reuth (Hrsg.)
Deutsche auf der Flucht
Weltbild Buchverlag
Originalausgabe / 216 Seiten / 22 x 29 cm
zahlreiche S/W- und Farbabbildungen
EUR 12,50
ISBN: 978-3-89897-741-8
08.06.2007
Michael Ferber

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