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Als der Osten noch Heimat war

Was vor der Vertreibung geschah: Schlesien, Westpreußen und Pommern, das Begleitbuch zur aktuellen gleichnamigen dreiteiligen Fernsehserie die im Herbst über die Bildschirme läuft.

Die Veröffentlichung und Dokumentationsreihe will dazu beitragen, diese Welt der deutschen Ostgebiete, aber auch der einstigen deutschen Siedlungsgebiete in anderen Staaten Osteuropas, für alle, die sie nicht selbst erlebt haben, im Grunde völlig unbekannt sind, ins Bewusstsein der Bevölkerung zu tragen.

Als die deutschen Gebiete im Osten Europas nach 1945 verloren gingen, betrauerten Millionen deutscher Flüchtlinge den Verlust ihrer Heimat. Für sie war eine heile Welt zusammengebrochen, in der Menschen verschiedener Völker friedlich zusammen-gelebt hatten. Aber wie heil war diese Welt wirklich? Schließlich hat es zwischen den dort lebenden Deutschen und ihren polnischen Nachbarn, nicht unbeträchtliche Spannungen gegeben – in Westpreußen etwa waren die Deutschen nach dem ersten Weltkrieg zur Minderheit geworden, in Schlesien war es umgekehrt. Hier wurden polnische Schulen geschlossen, und viele Polen sahen sich gezwungen, deutsche Namen anzunehmen. Wie erging es denen, die sich weigerten, ihre Identität aufzugeben? Und welche Folgen hatte die brutale Germanisierungspolitik der Nazis für sie? Fragen, die bis heute in Deutschland kaum gestellt werden. Anhand zahlreicher Fotos, persönlicher Zeugnisse und unveröffentlichter Quellen widmet sich dieses Buch dem hochemotionalen Thema. Drei Regionen – Pommern, Schlesien, Westpreußen – stehen dabei exemplarisch für das Schicksal von Deutschen und Polen, die im ehemals deutschen Osten zusammengelebt haben. Ein ungewöhnlicher Blick auf die Vorgeschichte von Flucht und Vertreibung und zugleich ein fesselndes historisches Panorama.

Ein Team von deutschen Filmautoren um Ulla Lachauer, Uta Bönnen und Hans-Dieter Rutsch hat gemeinsam mit dem Warschauer Historiker Wlodzimierz Borodziej parallel zur dreiteiligen Fernsehserie dieses Buch verfasst, das bisher viel unveröffentlichtes Material enthält. Von ihnen stammt auch das viel gelobte Vorgängerbuch „Als die Deutschen weg waren“ (2005).

Die Dokumentationsreihe "Als der Osten noch Heimat war" will diesen weißen Fleck mit Farbe füllen, mit konkreten Geschichten aus dem Alltag zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Beginn von Flucht und Vertreibung. Wie sah das Leben jenseits von Oder und Neiße wirklich aus? Was nahm man von den politischen Entwicklungen wahr, wie wirkte sich der Nationalsozialismus aus, wie der Kriegsbeginn? Jenseits von Folklore und idyllischen Landschaftsbildern erzählt die Reihe ein unbekanntes und verdrängtes Kapitel deutscher und europäischer Geschichte.

- Erster Teil: Als der Osten noch Heimat war – Pommern Hinterpommern liegt jenseits der Oder an der Ostsee. Bis 1945 war es ein Land der Großgrundbesitzer, Gutshäuser und kleinen Marktstädte, der Herren und der Knechte. Die Pommern galten in Preußen als besonders gehorsame und tapfere Soldaten.

In Pommern lebten und arbeiteten die Menschen auch nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie weiter nach alten Traditionen - ganz so, als habe es die Industrialisierung und die demokratischen Veränderungen nie gegeben Ein jeder hatte seinen Stand, seine Pflichten, wusste, was ihm zustand. Jemanden wie im 18. Jahrhundert in der dritten Person anzureden, war in Pommern auch Ende der 1920er Jahre nicht ungewöhnlich. "Ich glaube, dass das alte Preußen doch sehr maßgebend gewesen ist in Hinterpommern, dies Gehorsamsein und Pflichtenerfüllen, "meint die dort geborene Inge von Xylander." Man lehnte die Weimarer Republik ab, blieb kaisertreu, wählte deutschnational. Inflation und Weltwirtschaftskrise trafen Herren und Gesinde, die meisten Güter arbeiteten unrentabel und waren hochverschuldet. "Alle hatten ihren Kuckuck, überall," erinnert sich Kordula Wimmer, die Tochter des pommerschen Gutsbesitzers von Wühlisch. Immer neue Staatshilfen sollten den Ruin der Grundbesitzer verhindern. Seit dem Ersten Weltkrieg lag Pommern an der polnischen Grenze, nach Ostpreußen musste man jetzt durch den "polnischen Korridor". Gegen Ende der Zwanziger Jahre erreichten die Nationalsozialisten in Pommern überdurchschnittlich gute Ergebnisse. Man hoffte, die Nazis würden die alte deutsche Größe und alte Verhältnisse wieder aufrichten, doch sie brachten den Krieg. Er forderte einen hohen Blutzoll von den pommerschen Familien, die Rote Armee rollte über das Land hinweg, die Vertreibungen vernichteten das alte Pommern und seine Lebensweise für immer. Die Dokumentation erzählt von einem Land, das sich damals gegen die neue Zeit stemmte und schließlich von den historischen Ereignissen hinweggefegt wurde. Geblieben sind die traumhaft schöne Landschaft, die Dörfer und Städte, die Spuren deutschen Lebens in Hinterpommern - und die wehmütigen Erinnerungen der Menschen, die dort einmal gelebt haben.

Eine herausragende Dokumentationsreihe, ein durchaus gutes Begleitbuch. Schade das dabei leider nur drei Regionen exemplarisch für das Schicksal von Deutschen und Polen vorgestellt werden, eine Fortsetzung wäre wünschenswert.
Quellen: Rowohlt, WDR

Als der Osten noch Heimat war
Was vor der Vertreibung geschah:
Pommern, Schlesien, Westpreußen
Rowohlt Berlin
320 Seiten, gebunden
ca. 50 s/w Abbildungen
€ 19,90
ISBN 13: 978-3-87134-644-6

09.09.2009
Michael Ferber




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