
Von den 1939 (Volkszählung) in den schlesischen
Regierungsbezirken Liegnitz, Breslau und Oppeln
ansässigen 4,6 Mio. Menschen kamen 280.000
als Soldaten in Krieg oder Kriegsgefangenschaft
um, 3,2 Mio. wurden 1945/47 aus der Heimat gewaltsam
vertrieben oder nach vorheriger Flucht an der
Rückkehr gehindert, 387.000 gelten als „Nachkriegsverluste“,
also als ermordet, in Lagern verhungert, in der
sowjetischen Verschleppung umgekommen oder vermisst
(Statistisches Bundesamt 1958). Die Deutschen
Ost-Oberschlesiens sind hierbei nicht einmal erfasst;
sie hatten besonders hohe Zivilverluste.
Die (vor allem) in (Ober-) Schlesien zurückgehaltene
deutsche Volksgruppe zählte um 1950 rd. 900.000
Menschen und somit damals wie bis heute weit über
90% der im polnischen Hoheitsbereich lebenden
Deutschen. In der „Volksrepublik Polen“
wurden sie massiv unterdrückt und als sog.
„Autochthone“ (germanisierte, nun
zu „repolonisierende“ Urbevölkerung)
ständigem Assimilationsdruck ausgesetzt.
Der Gebrauch der deutschen Sprache blieb lange
verboten.
Die polnischen „Neusiedler“, die
in die Häuser der Vertriebenen einzogen,
waren entgegen einer weitverbreiteten Meinung
weder in Schlesien noch in anderen deutschen Ostprovinzen
überwiegend selber Vertriebene aus den an
die UdSSR abgetretenen polnischen Gebieten, sondern
sie stammten etwa zu 2/3 aus Zentralpolen.
Erst nach dem Ende der Kommunistenherrschaft
1989/90 konnten die Deutschen sich wieder artikulieren,
Vereine gründen und offen Verbindung mit
den vertriebenen Landsleuten im Westen aufnehmen.
Doch die große Aussiedlungsbewegung der
Jahre 1988-91, als rd. 540.000 Menschen die Republik
Polen als deutsche Aussiedler bzw. deren Angehörige
verließen, blieb nicht ohne Folgen. Heute
lebt noch etwa ½ Mio. Deutscher in der
Republik Polen, die große Mehrheit davon
in den seit 1997 bestehenden Wojwodschaften Niederschlesien
(Dolny Slask), Oppeln und „Schlesien“(
Slask; de facto Ost-Oberschlesien). In der Wojwodschaft
Oppeln stellen sie ein gutes Drittel der Bevölkerung.
Die vertriebenen 3,6 Mio. Schlesier hatten bis
1950 zu 2/3 Aufnahme in den westlichen Besatzungszonen,
zu 1/3 in der SBZ, der späteren DDR Aufnahme
gefunden.
Als 1970 zum letzten Mal bei einer Volkszählung
der Vertriebenenstatus erfragt wurde, ergab sich,
daß von den vertriebenen Schlesiern und
ihren Nachkommen eine Million in NRW, über
600.000 in Niedersachsen, 460.000 in Bayern, fast
200.000 in Hessen usw. lebten.
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