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Geschichte Schlesien

In den folgenden 200 Jahren wird Schlesien auf friedliche Weise ein deutsches Land. Die deutsche Geschichte Schlesiens beginnt mit einer Vertreibung. Der polnische Herzog Boleslaus III. (+1138) bestimmt in seinem Testament, dass in seinem Land, das er unter vier Söhne aufgeteilt hat, der jeweils älteste seiner Nachkommen das Gebiet um Krakau (von den Polen Kleinpolen genannt, während Großpolen das Gebiet um Posen ist) erhalten und als „Senior“ über den anderen stehen und so das ganze Land zusammenhalten soll. Der älteste Sohn Wladislaw II (deutsch Ladislaus), erhält Schlesien, residiert aber in Krakau. Er wird von seinen Stiefbrüdern 1146 vertrieben. Da seine Frau eine Stiefschwester des deutschen Königs Konrad III. ist, wird ihm von diesem die Burg Altenburg in Sachsen als Wohnsitz zugewiesen. Seine drei Söhne aus der Ehe mit Agnes von Österreich, Boleslaus der Lange, Mesko und Konrad, leben 17 Jahre lang in der Vertreibung in Deutschland. 1163 erzwingt Kaiser Friedrich I. Barbarossa, dass Schlesien an diese drei Brüder zurückgegeben wird.

Schlesien umfasst damals, ausgedrückt nach den früheren preußischen Regierungsbezirken: Reg.-Bez. Oppeln (ohne die Gebiete von Beuthen), Pleß, Hultschin, Leobschütz, aber mit den Gebieten von Teschen und Freiwaldau, Reg.-Bez. Breslau (ohne die Grafschaft Glatz), Reg.-Bez. Liegnitz (ohne die Lausitz). Die Brüder regieren zunächst gemeinsam, Konrad stirbt bald. 1173 teilen Boleslaus und Mesko das Land, allerdings sehr ungleich. Mesko erhält nur das Gebiet um Ratibor, Rybnik und Teschen mit Sitz in Ratibor, das sogenannte Herzogtum Ratibor. Der Name „Herzogtum Schlesien“ bezieht sich von nun an nur auf das übrige Schlesien, hauptsächlich nach heutigen Begriffen Niederschlesien. 1177 erhält Mesko von seinem in Krakau als Senior regierenden Onkel die Gebiete um Beuthen, Pleß (die dauernd bei Schlesien bleiben) Sewerin, Auschwitz und Zator (die später an Polen verkauft werden). Boleslaus der Lange stirbt Ende 1201. Sohn Heinrich I., Gemahl der späteren hl. Hedwig, überlässt seinem Onkel das Gebiet von Oppeln (zu dem damals die Kreise Falkenberg, Cosel, Groß-Strehlitz, Rosenberg und Lublinitz gehören). Mesko nennt sich von da ab Herzog von Oppeln.

1202 ist ein wichtiges Jahr in der polnischen und schlesischen Geschichte. Damals endet das Seniorat und damit die Einheit Polens in staatsrechtlicher Beziehung. Die einzelnen Teile werden selbständig, so auch die beiden schlesischen Herzogtümer, das Herzogtum Schlesien und das Herzogtum Oppeln. Nach 120 Jahren wird Polen wieder geeint, aber ohne Schlesien.

Heinrich I. von Schlesien ist ein bedeutender Herrscher, er beherrscht auch erhebliche Teile des übrigen polnischen ehemaligen Reiches. So besteht die Aussicht, dass sein Sohn Heinrich II. wieder ein einheitliches Polen errichten kann, dieses Mal von Schlesien aus. Diese Aussichten versinken mit seinem Tod in der Mongolen-Schlacht von Wahlstatt (1241). Das Herzogtum Schlesien wird geteilt, 40 Jahre später auch das Herzogtum Oppeln. Die Teilung geht weiter, die kleinen Teilherzogtümer sind politisch machtlos, ihren starken Nachbarn ausgeliefert. Inzwischen ist in der Bevölkerungsentwicklung ein völliger Wandel eingetreten. Ungeachtet der Zersplitterung haben die Fürsten gleichermaßen Siedler in das Land gerufen und Städte gegründet. So ist die Bevölkerung jetzt großenteils deutsch. Die schlesischen Fürsten, die zwischen der Herrschaft von Polen, Ungarn und Böhmen zu wählen haben, nehmen zu Beginn des 14. Jahrhunderts nacheinander die Lehnshoheit von Böhmen an, wo die deutschen Luxemburger den Thron innehaben und wo unter den tschechischen Herrschern ebenfalls eine Siedlungspolitik stattgefunden hat. Im Jahre 1335 verzichtet der polnische König Kasimir III. (der Große) im Vertrag von Trentschin „auf ewige Zeiten“ auf die schlesischen Herzogtümer, die übrigens schon seit 1202 keine staatsrechtliche Verbindung mehr zu Polen gehabt hatten, zu Gunsten des Königs von Böhmen, während dieser auf seine Ansprüche auf den polnischen Thron verzichtete.


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