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Die nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Flucht und
Vertreibung nach Bonn verschlagenen Schlesier
gründeten 1951 eine eigene landsmannschaftliche
Gruppe, die Kreisgruppe Bonn der Landsmannschaft
Schlesien, Nieder- und Oberschlesien. Sie hatte
bei ihrer Gründung bereits eine Vorgängerorganisation,
den Schlesier-Verein, der in den 20er und 30er
Jahren zum „Bonner Vereinsleben“ gehörte,
sehr aktiv gewesen sein soll und den hier lebenden
Schlesiern ein Zuhause bot. Die Überlebenden
dieses Vereins wurden vor 50 Jahren in die LS
integriert. Die frühere Fahne dieses Vereins
ist heute Eigentum der Landsmannschaft.
Die Landsmannschaft hatte bald nach der Gründung
einen regen Zulauf, denn die meisten Schlesier
fühlten sich hier nur als Gäste. Sie
hofften auf eine Rückkehr in die Heimat,
und sie hatten Heimweh, was im Kreis von Schicksalsgenossen
leichter zu ertragen war.
In der Landsmannschaft wurden von Anfang an heimatliche
Bräuche gepflegt:
Das Baudenfest, zur Erinnerung an den Fasching
in den heimatlichen Bergen, war bereits beim ersten
Mal 1952 in der Mensa in der Nassestrasse überfüllt.
Die Barbarafeier, in den ersten Jahren im Saal
Krause in der Endenicher Straße, mit Bergmannskapellen
in Tracht war jahrelang ein besonderer Anziehungspunkt.
Bei Vorweihnachtsfeiern und den heimatlichen
Nachmittagen im „Em Kabass“ in der
Hatschiergasse sang man die schlesischen Lieder
und beschäftigte sich mit unseren „666“
Dichtern. Bei diesen Veranstaltungen gab es immer
den echten „schlesischen Streuselkuchen“
von Bäcker Kapitza.
Später wurde der Brauch des Sommersingens
an Sonntag Lätare wiederbelebt. Bis Mitte
der siebziger Jahre zogen unsere Kinder mit den
hübschen, selbstgebastelten Stecken zu unseren
Landsleuten, zum Bürgermeister, dem Bundeskanzler
und Bundespräsidenten und sangen u.a. „Summer,
Summer, Summer ich bin a klener Pommer“
usw.
Neben der Heimatpflege organisierte die Landsmannschaft
auch viele politische und geschichtliche Veranstaltungen,
meist Vorträge. Immer hatten wir Schlesier
das Gefühl, dass weite Kreise der Bevölkerung
sehr wenig über unsere Heimat wussten. Hier
aufzuklären war und wird wohl auch in Zukunft
eine wichtige Aufgabe der Landsmannschaft sein.
Doch nicht nur mit Schlesien beschäftigten
wir uns in der Landsmannschaft. Auch die Umgebung
Bonns lernten wir gemeinsam kennen.
Jörg Straßberger führte uns auf
Wanderungen durch Kottenforst und Siebengebirge
und erklärte dabei die Pflanzenwelt. Mit
Günter Lauterbauch erkundeten wir geologisch
interessante Gegenden im Bonner Umland. Fritz
Gehl organisierte Ausflüge in den Westerwald,
das Bergische Land und die Eifel.
Wir fuhren mit dem Boot zur Marksburg und dem
Sambaexpress nach Winningen an der Mosel, wo wir
am Weinfest teilnahmen.
Von Johannes Maron wurden diese Fahrten - nunmehr
auch in die weitere Umgebung, nach der „Wende“
auch in die mitteldeutschen Länder –
erfolgreich weiter organisiert und durchgeführt.
Die Teilnahme an den „Schlesiertreffen“
war immer eine Selbstverständlichkeit, ebenso
an Wallfahrten: Hedwigswallfahrt im Oktober nach
Köln, Annawallfahrt nach Haltern in Westfalen
und an Schlesier -(Vertriebenen) wallfahrten nach
Werl
Im Laufe der Jahre verringerte sich das Interesse
an unserer Landsmannschaft, und der Abschluss
der Ostverträge brachte eine richtige Krise,
die sich selbst im Vorstand der Landsmannschaft
widerspiegelte.
Auch heute und morgen hat die Landsmannschaft
noch vielfältige Aufgaben:
- Sie bemüht sich, das kulturelle Erbe
zu bewahren und an die junge Generation weiterzugeben
durch aktive
- Mitwirkung am Tag der Heimat,
- kulturelle Veranstaltungen mit Mundart und
Musik,
- u.a. Singen mit Herrn Sosnowski, (dem jetzigen
Schriftführer im Vorstand) durchzuführen;
- Erhaltung des heimatlichen Liedgutes, Dia-
und Filmvorträgen über Schlesien.
Teilnahme an ostdeutschen
Gottesdiensten und dem jährlichen Totengedenken
auf dem Nordfriedhof.
- Teilnahme an den Veranstaltungen der Eichendorffgilde,
deren Mitglieder auch gleichzeitig Mitglieder
der
Landsmannschaft Schlesien – Kreisgruppe
Bonn sind. So ist auch Dr. Walter Kallabis als
aktives Mitglied
der Landsmannschaft Schlesien -der erste Vorsitzende
der Eichendorffgilde Bonn gewesen. Er führte
dieses Amt 30 Jahre.
- Sie organisierte Reisen nach Schlesien. Die
vorjährige Reise fand im Rahmen der 1000-Jahr-Feiern
des
Breslauer Bistums statt – die Kreisgruppe
war mit zwei Bussen dabei.
- Sie unterstützt die deutsche Minderheit
in der Heimat.
- Sie beteiligt sich auch heute noch an den
Schlesiertreffen in Nürnberg – in
diesem Jahr am 13./14. Juli – die
trotz einer Besucherzahl von mehr als 100 000
von den Medien, der Presse kaum wahrgenommen
werden.
- Sie sieht auch heute noch eine Aufgabe darin,
durch Vorträge über Geschichte und
Politik aufzuklären.
Erinnern wollen wir hier auch an einige besonders
verdienstvolle Mitglieder, u.a. an:
- Dr. Rudolf Habelt,
Verleger und Buchhändler. Er war Jahrzehnte
im Gesamtvorstand, hat viele Veranstaltungen
(so eine Autorally durch die Eifel) organisiert
und gesponsert. Der Grundstock für die
umfangreiche Bibliothek im Haus Schlesien wurde
von ihm gelegt.
- Ferdl Just,
schuf die einmalige Dekoration für die
Baudenfeste in seinem Atelier in der Sternstraße,
(z. B. entstanden der Rübezahl und die
Werbung für den Kultfilm „die Sünderin“
gleichzeitig). Später wurde Just bekannt
für seine Kunstwerke aus Aluminiumguss..
- Josef Treimer,
Schreinermeister. Er hatte Schlesien in den
20er Jahren aus Liebeskummer verlassen, nie
geheiratet und schon dem alten Schlesier-Verein
in Bonn angehört.
- Martel Ewert,
sie hatte bei der Vertreibung den falschen Koffer
erwischt und so die Grundausstattung der Brückenberger
Trachtengruppe in Bonn mitgebracht. Zu ihren
Sachen gehörte eine mehr als 100 Jahre
alte Schürze aus der Stickereischule in
Warmbrunn, die Vorlage für alle später
erstandenen Schürzen und Halstücher.
- Dr. Walter Kallabis,
viele Jahre auch im Vorstand aktiv, führte
uns in die Geschichte Schlesiens ein, hielt
hervorragende Vorträge.
Von 1953 bis in die 60er Jahre gab es eine aktive
Schlesische Jugend, erst eine Mädelgruppe
(14 – 20jährig), 1953 von Frau Sander
gegründet. 1954 entstand eine Jugendgruppe,
geleitet von Norbert Altmann. Ab 1954/55 gab es
dann noch eine „Kückengruppe“,
Mädel (10 bis 14 Jahre), die damals unsere
heutige Schatzmeisterin, Irene Otte, leitete.
Die Gruppen waren Teil der Landsmannschaft. Sie
beteiligten sich an den einzelnen Veranstaltungen.
Gleichzeitig waren sie auch Teil der DJO (Deutsche
Jugend des Ostens) und hatten engen Kontakt mit
den Ostpreußen, Pommern und Sudetendeutschen.
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