
Eine gute Wahl...
Zur Wahl von Christian Wulff als Bundespräsident
Elf Tage nach seinem 51. Geburtstag wurde Christian
Wulff in das Amt als 10. Bundespräsident
der Bundesrepublik Deutschland im dritten Wahlgang
gewählt. Ein schwieriger Anlauf. In der 14.
Bundesversammlung am 30. Juni 2010 konnte Christian
Wulff im ersten und im zweiten Wahlgang keine
absolute Mehrheit erreichen.
Im dritten Wahlgang setzte er sich mit 625 Stimmen
gegen evangelischen Theologen Joachim Gauck mit
494 Stimmen durch.
Wer ist dieser Christian Wulff? Geboren wurde
im niedersächsischen Osnabrück. Bereits
1975 trat er in die CDU ein, er engagierte sich
zunächst in der Schüler Union, später
gehörte er dem Bundesvorstand der Jungen
Union an. Seit 1984 gehört er dem Landesvorstand
der CDU in Niedersachsen an, seit 1990 war er
als Rechtsanwalt tätig. 1993 wurde Christian
Wulff auf dem Landesparteitag der niedersächsischen
CDU mit 472 von 496 Stimmen zum CDU-Spitzenkandidat
und Herausforderer von Ministerpräsident
Gerhard Schröder im Landtagswahlkampf 1994
nominiert. Leider jedoch konnte er sich aber mit
Ergebnissen von 36,4 % (1994) bzw. 35,9 % (1998)
für die CDU nicht gegen den Amtsinhaber Gerhard
Schröder durchsetzen. Dies gelang Wulff gegen
den Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel bei
der Landtagswahl in Niedersachsen 2003 mit einem
Ergebnis von 48,3 % der Stimmen, Christian Wulff
wurde zum Ministerpräsidenten des Landes
Niedersachsen gewählt. Gemäß demokratischer
Traditionen lässt Christian Wulff während
seiner Amtszeit als Bundespräsident seine
CDU-Mitgliedschaft ruhen. Nach sieben protestantischen
Amtsvorgängern ist er damit der erste katholische
Bundespräsident seit Heinrich Lübke.
Auch bei den Schlesiern ist Wulff kein unbekannter.
Seit 1999 war regelmäßig Gast auf dem
alle zwei Jahre stattfindenden Deutschlandtreffen
der Schlesier, dem größten landsmannschaftlichen
Treffen einer Vertriebenenorganisation, zu der
alle zwei Jahre über 50.000 Teilnehmer erwartet
werden. 1999 sprach er als CDU-Fraktionsvorsitzender
des niedersächsischen Landtages, 2001 als
Oppositionsführer, 2007 und 2009 als niedersächsischer
Ministerpräsident. Dabei würdigte er
mehrfach die Verdienste der Vertriebenen für
den Aufbau Deutschlands. „Man kann Ihnen
nur immer wieder Danke sagen“, betonte er
2009 auf dem Treffen in Hannover. Tausenden von
Zuhörern sagte er: „Wir werden alles
tun, um das Schicksal der Heimatvertriebenen nicht
in Vergessenheit geraten zu lassen“. Wulff
ergriff zugleich Partei für das Anliegen
der Vertriebenen, an ihr Schicksal zu erinnern.
„Für uns alle sollte es eine Selbstverständlichkeit
sein, dass wir uns unserer Heimat erinnern. Es
ist immer wieder erstaunlich, wie viele Ihnen
dieses Grundrecht verweigern wollen“, sagte
der CDU-Politiker auf dem treffen.
Bereits 2007 betonte Wulff daß die Vertreibung
ein Unrecht sei und sich in der Europäischen
Union nicht mehr abspielen dürfe, betonte
Wulff. Allerdings bringe die Aufrechnung der Leiden
der Vertriebenen mit den Schrecken der nationalsozialistischen
Eroberung Polens nichts. "Die Vertreibung
der Schlesier nach dem Zweiten Weltkrieg ist und
bleibt Teil der deutschen Geschichte", so
Wulff weiter. Er werde sich dafür einsetzen,
dass es ein Zentrum gegen Vertreibung in Berlin
gebe. Außerdem sprach sich der CDU-Politiker
dafür aus, in den Schulen mehr über
die Erinnerungen von Zeitzeugen zu lehren.
"Es gibt rechtsextreme Verlage und einzelne
Personen, die Ihre Interessen in den Schmutz ziehen",
sagte Wulff 2007 auf dem Deutschlandtreffen. Trauer
und Erinnerung dürften jedoch kein Vorwand
für Spaltung sein, betonte er. Dabei lehnte
er Entschädigungsansprüche von deutschen
Vertriebenen aus heutigen Gebieten in Tschechien
und Polen entschieden ab. Entsprechende Forderungen
der "Preußischen Treuhand" brächten
Deutschland in den Verdacht der Vergeltungssucht,
warnte er.
Wullf tritt in einer schweren Zeit ein schwieriges
Amt an. Gewählt wurde er für eine Amtszeit
von fünf Jahren. Warten wir es ab ob er in
fünf Jahren noch einmal antritt, seine anschließende
Wiederwahl ist nur einmal zulässig. Der Rostocker
Bürgerrechtler Gauck wird für immer
der Kandidat der mitteldeutschen Herzen bleiben.
01.07.2010
Michael Ferber

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